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Wohnen im historischen Bestand

Vonovia hat viele sehr alte Häuser im Bestand. Zum Beispiel in der Lübecker Altstadt, in der Nähe der ehemaligen Zeche Westhausen in Dortmund und in der Gropius-Siedlung in Frankfurt am Main. Warum es wichtig ist, den Charme und den Stil der alten Häuser zu erhalten, erzählen zwei Mieterinnen.

Text: Astrid Hopp
Fotos: Simon Bierwald, Martin Kess, Alex Kraus

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Zechenhäuser. „Oh, das ist hier aber wunderhübsch geworden! Den Satz höre ich häufig, wenn ich durch mein Quartier fahre“, sagt Elke Exner. Sie ist Mieterin von Vonovia und wohnt in den Westhausener Höfen. So heißt das Quartier im Dortmunder Stadtteil Westerfilde, ganz in der Nähe der ehemaligen Zeche Westhausen. Seit 2020 hat Vonovia dort 26 Gebäude saniert. Die 68-Jährige ist 1954 in Westerfilde zur Welt gekommen. Mit wenigen Unterbrechungen hat sie immer dort gelebt. Seit ungefähr zehn Jahren wohnt sie in der Westerfilder Straße in einer Erdgeschosswohnung. Ihr Haus erstrahlt seit 2021 in neuem Glanz und erinnert optisch wieder an die 1910er-Jahre, als die Häuser dieser Zechensiedlung gebaut wurden.

Vonovia wollte den alten Charakter der Zechensiedlung wiederherstellen. Projektleiter Christian Reichwald war für die Sanierung verantwortlich und berichtet: „Die Häuser stehen zwar nicht unter Denkmalschutz, aber uns war es wichtig, alte Erinnerungen aufleben zu lassen.“ Reichwald ist Bauingenieur und gelernter Maler und Lackierer aus Berlin.

Er hat viel Erfahrung mit der Sanierung alter Häuser und brachte das richtige Gefühl für Westerfilde mit. Die Herausforderung bei solchen Sanierungen sei, alte und neue Baumaterialien – zum Beispiel Holz und Beton– miteinander zu kombinieren. Bei den Zechenhäusern kam der allgemeine Schiefstand hinzu. „Wir mussten beispielsweise schauen, wie wir Fensterhöhen anpassen und neue Balkone optisch einfügen“, erzählt Reichwald. „Außerdem zeigen alte Gebäude ihre wahre Seite erst, wenn man mit den Arbeiten beginnt.“ Nach Standard bauen sei nicht möglich. Während der Bauzeit treffe man immer wieder auf Herausforderungen, die individuelle Lösungen erfordern.

Bild links: Elke Exner, Mieterin von Vonovia

Von Sprossenfenster bis Fensterladen

Aber wie stellt man den ursprünglichen Charakter einer Siedlung wieder her, wenn die Häuser sich über die Jahre verändert haben? Selbst Elke Exner, die seit 68 Jahren hier lebt, kannte den Urzustand nicht. „Wir haben viel recherchiert“, sagt Nora Woker, Quartiersentwicklerin bei Vonovia. Schließlich entschied man, die alte Dachform zu erhalten, beim Fassadenputz bestimmte Stilelemente von früher aufzugreifen, Sprossenfenster einzubauen sowie Fensterläden anzubringen.

Neben dieser Optik sollten die Häuser energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Nach rund zwei Jahren Sanierung sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Die Modernisierung empfindet Elke Exner als Glücksfall: „Die Häuser sehen einfach toll aus. Ich mag die Sprossenfenster sehr und die Fensterläden mit den kleinen Männchen an der Halterung ebenso.“

Unser Quartier hat sich durch die Sanierung großartig entwickelt, nur zu unserem Vorteil.

Elke Exner
Mieterin von Vonovia in den Westhausener Höfen
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Dass Vonovia bei der Sanierung des Quartiers in Dortmund alte Stilelemente hat aufleben lassen, findet Mieterin Elke Exner klasse. Besonders gut gefallen ihr die Fensterläden mit den kleinen Männchen an der Halterung.

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Elke Exner, auf dem Bild als kleines Mädchen zu sehen, ist in dem Quartier groß geworden.

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Die Sprossenfenster, verschiedene Stilelemente an den Fassaden und die alten Dachformen geben dem Quartier einen unverwechselbaren Charakter.

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Wo der Löwe wacht

Altstadtinsel. In Lübecks Altstadt stehen Häuser, die zum Teil schon über 600 Jahre alt sind. Brigitte Levermann wohnt in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert.

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und die Ausflugsschiffe schippern auf der Trave. Schaut Brigitte Levermann an solchen Tagen aus den großen Fenstern ihres Wohnzimmers, ist sie gleich mitten im Geschehen. Sie und ihr Mann leben in der Lübecker Altstadt, direkt am Fluss Trave. Das Haus, in dem sie wohnen, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Auf der weißen Fassade prangt ein goldener Löwenkopf. Brigitte Levermann kennt diese Ecke von Kindesbeinen an. „Mein Vater hatte einen kleinen Laden für Bastelbedarf. Ich bin hier groß geworden.“

Als kleines Mädchen hat sie dort, wo heute die Ausflugsschiffe anlegen, mit den Puppen gespielt und ist mit dem Fahrrad und den Rollschuhen die Gassen runtergesaust. „Früher gab es natürlich viel weniger Autos. Ich kenne die Altstadt noch, als hier Pferdekutschen unterwegs waren“, erinnert sie sich. „Ich finde es wunderschön, in diesem Altbau zu leben, der sein Aussehen nicht verloren hat.“

Bild links: Alte Türen und Fenster prägen die Fassaden in der Altstadt.

Die Wohnungen sind kernsaniert, wie fast alle Wohnungen an der Trave. Die alte Optik wurde beibehalten: bei den Hausfassaden, Fenstern und Türen. Sogar in den Innenräumen kann man die Bauweise von früher nachvollziehen: „Wir haben nicht nur ein innen liegendes Bad, sondern auch eine innen liegende Küche, das kennt man heute kaum noch“, erzählt Brigitte Levermann. „Die Küche hat zwei Glasfronten zum Wohnzimmer, sodass man genug Licht hat und mitbekommt, was im Fernsehen läuft.“

Objektbetreuer Volkmar Jahn betreut die Vonovia Bestände in der Altstadt seit 2013. Er weiß, wie aufwendig Sanierungen sind, wenn Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Die Lübecker Altstadt gehört sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. „Bei Sanierungen arbeiten wir mit Handwerkern, die auf Altbauten spezialisiert sind“, sagt er. Das Besondere für ihn sei, was die Menschen in den vorherigen Jahrhunderten alles mit der Hand gemacht haben. Auch in den Wohnungen gibt es manche Schätze zu entdecken. „Wir haben Wohnungen mit tollen Wand- und Deckenmalereien“, so Volkmar Jahn. Das wolle und müsse man alles erhalten.

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Innen liegende Küchen gibt es heute kaum noch. Durch die Verglasung ist der Raum hell und freundlich.

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Backstein oder verputzte und verzierte Fassaden wechseln sich ab.

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Auf der weißen Hausfassade prangt oben im Giebel ein goldener Löwenkopf.

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Das Neue Frankfurt

Gropius-Siedlung. Der Bauhaus-Stil von Walter Gropius hat es erstmals ermöglicht, in Serie zu bauen. Siedlungen in Frankfurt sind Zeugen der Architektur-Revolution.

Nicht nur Baustile aus vergangenen Jahrhunderten sind schützenswert. Auch Gebäude, die dem heutigen Baustil gar nicht so fremd sind, stehen oft unter Denkmalschutz. Ein Beispiel ist die Siedlung „Am Lindenbaum“ im Frankfurter Norden, in Eschersheim. „Wir haben hier 192 Wohnungen in den Straßen Nußzeil, Hinter den Ulmen und Am Lindenbaum“, sagt Eric Völker, Regionalleiter bei Vonovia. Die Häuser dieser Siedlung hat der berühmte Architekt Walter Gropius entworfen, daher auch der Name Gropius-Siedlung.

Bild links: Anspruch des Frankfurter Wohnungs- und Städtebauprogramms in den 1920ern war es, praktisch zu bauen, nicht dekorativ. So wie hier in der Straße Nußzeil.

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Gerade Linien, sachliche Formen

1929 erhielt Gropius vom damaligen Stadtbaurat Ernst May den Auftrag, südlich des Ortskerns von Eschersheim eine Wohnsiedlung zu erbauen. Die Stadt Frankfurt hatte damals das Wohnungs- und Städtebauprogramm „Neues Frankfurt“ aufgelegt. Ziel war es, die damalige Wohnungsnot zu beseitigen. In dieser Zeit entstanden 20 Siedlungen, zu denen unter anderem auch Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser gehörten. Neu war das effiziente Bauen in Serie. Der von Walter Gropius mitentwickelte gerade, funktionale Bauhaus-Stil passte perfekt dazu.

Gebäude im Bauhaus-Stil haben meist ein Flachdach und eine kubische Form, die an einen Würfel erinnert. Die Häuser in der Siedlung Am Lindenbaum zeichnen sich beispielsweise durch hervortretende Balkone und kleine Lochfenster der Mansarden im obersten Geschoss aus. „Wenn wir solche Häuser modernisieren, müssen wir alle Schritte mit dem Denkmalschutzamt absprechen, um Farben und Formen zu erhalten“, erklärt Eric Völker.

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Historische Bestände

Vonovia hat bundesweit mehr als 3.000 historische Häuser im Bestand. Wir zeigen, wo diese liegen, aus welchem Jahrhundert das älteste Haus stammt und was Denkmalschutz bedeutet.

Denkmäler erleben
Einmal im Jahr ist in Deutschland Tag des offenen Denkmals. Dann öffnen viele alte Fabrikhallen, Burganlagen oder Fachwerkhäuser, die normalerweise nicht zugänglich sind, ihre Pforten. Am 11. September 2022 ist es wieder so weit. Weitere Infos gibt es unter www.denkmalschutz.de.

Anno 1379
Das älteste Haus aus dem Vonovia Bestand steht in Lübeck.

Weltberühmt
Denkmäler, Bauten oder Orte, die für die gesamte Menschheit erhalten bleiben sollen, gehören zum UNESCO-Welterbe. Sie sind einzigartige Zeugnisse der Menschheits-, Natur- und Kulturgeschichte. UNESCO-Welterbestätten gibt es welt- weit in 167 Ländern. 51 von ihnen befinden sich in Deutschland. Die Altstadt der Hansestadt Lübeck zählt dazu.

Schutz bei Krieg und Katastrophen
Die Haager Konvention, 1954 in Den Haag beschlossen, will Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten schützen. Mit dem sogenannten Blue-Shield-Symbol können Bundesländer historische Bauten, Kirchen, Museen, Archive und Bibliotheken kennzeichnen. Dem Militär ist es verboten, so gekennzeichnete Kulturgüter anzugreifen, zu beschädigen oder zu entwenden. Auch bei Katastrophen wie Hochwasser oder Bränden ist anhand des Schutzzeichens sofort sichtbar, welche Objekte zuerst geschützt werden müssen.

Augen auf
Mit Denkmalschutz-Plaketten an Gebäuden kann auf deren Besonderheit hingewiesen werden. Denkmalschutz ist in Deutschland Ländersache. Daher sehen die Plaketten unterschiedlich aus, bzw. nicht jedes Bundesland vergibt eine Plakette.