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Pressemitteilung

„AntiAnti – Museum Goes School“: Ein Programm des Jüdischen Museums Frankfurt zur Extremismusprävention an Berufsschulen

Das Jüdische Museum Frankfurt ist das erste eigenständige Museum in der Bundesrepublik Deutschland, das mit der Aufgabe gegründet wurde, jüdische Geschichte und Kultur an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln. Angesichts der Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus hat diese Aufgabe in den vergangenen Jahren im Allgemeinen an Bedeutung und Brisanz gewonnen. Diesen gesellschaftlichen Entwicklungen möchte das Jüdische Museum nun insbesondere mit einem neuen kulturellen Bildungsprogramm begegnen, das sich dezidiert an bildungsbenachteiligte Schülerinnen und Schüler richtet.

Das Programm mit dem Titel „AntiAnti – Museum Goes School“ ist an berufsbildenden Schulen angesiedelt, in denen der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund oder mit brüchigen Bildungsbiografien besonders hoch und das kulturelle Bildungsangebot zugleich gering ist. Um nachhaltig zur Extremismusprävention beizutragen, ist das Programm jeweils auf ein halbes Jahr angelegt und umfasst mehrere Lerneinheiten für Lehrerinnen und Lehrer wie auch Schülerinnen und Schüler. Die meisten Lerneinheiten werden dabei nicht etwa am Museum, sondern an verschiedenen Orten der Stadt angeboten. „AntiAnti – Museum Goes School“ ist damit zentraler Bestandteil der neuen Reach Out-Bildungs­programmatik, die das Jüdische Museum und das Pädagogischen Zentrum Frankfurt in den vergangenen Monaten entwickelt haben und in Zukunft weiter ausbauen wollen. Das Ziel dieser Programmatik besteht darin, Kinder und Jugendliche in der ihnen vertrauten Umgebung für Diskriminierung, Migration und Diversität zu sensibilisieren und ihnen so einen neuen Zugang zu den Themen des Jüdischen Museums zu eröffnen.

Die Direktorin des Jüdischen Museums, Dr. Mirjam Wenzel, erklärt: „In den vergangenen Jahren hat sich die Bevölkerungsstruktur in Deutschland wie auch in Frankfurt und Umgebung entscheidend verändert. Es ist daher für die Zukunft des Jüdischen Museums Frankfurt von überaus großer Bedeutung, Menschen, die sich aus familiären oder moralischen Gründen nicht für jüdische Geschichte und Kultur interessieren, einen Zugang zu unseren Themen zu vermitteln. Darüberhinaus sehen wir uns durch die Zunahme antisemitischer Vorkommnisse in Deutschland und Europa dazu aufgefordert, die sicheren Mauern unseres Museums hinter uns zu lassen und auf die Sensibilisierung Jugendlicher für Diskriminierungen hinzuwirken.“  

„AntiAnti – Museum Goes School“ arbeitet mit neuesten pädagogischen Methoden, deren Ausgangspunkt die kulturelle, soziale und biografische Diversität heterogener Gruppen bildet. Die Lerneinheiten verfolgen einen personenorientierten Ansatz, der darauf zielt, die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler durch Selbstreflexion, Empowerment, Aufklärung und kulturelle Teilhabe zu stärken. Im Vordergrund der Fortbildungen der Lehrerinnen und Lehrer steht der Ausbau transkultureller Kompetenzen.

Das Programm zur Extremismusprävention begann im Februar 2017 mit einer Pilotphase an der Frankfurter Philipp-Holzmann-Schule. Für 20 Schüler und eine Schülerin im Alter zwischen 16 und 18 Jahren der Klasse für Agrarwirtschaft und Holztechnik und 13 Lehrerinnen und Lehrer endete das Programm am 24. Juni 2017 mit einem gemeinsamen Abschlussfest im Museum Judengasse. Dr. Türkan Kanbicak, die Projektleiterin des „AntiAnti“-Programms und Manfred Levy, der verantwortliche Lehrer innerhalb des Pädagogischen Zentrums, beschreiben die Erfahrungen ihrer Arbeit in der Pilotphase des Projekts wie folgt: „In den Schülerworkshops haben sich die Jugendlichen intensiv mit ihrer Familiengeschichte und Lebenswelt befasst. Dabei bildeten eigene Migrations- und Diskriminierungserfahrungen die Grundlage für die Auseinandersetzungen mit gängigen Vorurteilen gegenüber verschiedenen sozialen Gruppen. Nach einem halben Jahr haben viele von ihnen eine neue Reife und tolerante Offenheit gegenüber dem Neuen und dem Anderen entwickelt.“ Nach der erfolgreich abgeschlossenen Pilotphase soll das Projekt im Schuljahr 2017/18 auf mehrere Berufsschulen in Frankfurt ausgeweitet werden.

Das Programm „AntiAnti – Museum Goes School“ umfasst drei Säulen:

1.   ein halbjährliches Workshop-Angebot mit mehreren Lerneinheiten für Schülerinnen und Schüler,

2.   eine Reihe an Lehrerfortbildungen,

3.   eine begleitende Evaluation.

Das Workshop-Angebot besteht aus fünf Lerneinheiten für die teilnehmenden Klassen, die als ganztägige Veranstaltungen – das heißt mit jeweils sechs Unterrichtsstunden – an unterschiedlichen Lernorten durchgeführt werden. Zu diesen Lernorten gehören sowohl das unmittelbare Lebensumfeld wie auch der Besuch einer jüdischen Einrichtung (während der Pilotphase wurde die Budge-Stiftung aufgesucht). Darüber hinaus nehmen die Schülerinnen und Schüler an einer Auftakt- und einer Abschlussveranstaltung sowie einer Führung im Museum Judengasse über „Judentum und Islam“ teil.

Um das Kollegium der teilnehmenden Schule in das Projekt einzubinden und transkulturelle Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern im Umgang mit der Diversität im schulischen Alltag zu stärken und sie für Radikalisierungstendenzen unter bildungsbenachteiligten Schülerinnen und Schülern zu sensibilisieren, sind im Rahmen des Programms drei Lehrerfortbildungen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen vorgesehen. Diese Fortbildungen bieten den Lehrkräften die Chance, sich ein differenziertes Bild über politisch-religiösen Extremismus und seine gesellschaftlichen Implikationen zu machen. Darüberhinaus fördern sie die Selbstreflexion über die eigene Positionierung und Haltung in Konfliktsituationen.

Die dritte Säule des Programms bildet eine fortlaufende Evaluation, welche die Wirksamkeit des Programms analysieren und der steten Justierung der einzelnen Lerneinheiten dienen soll. Hierzu wird auf die Methodik des partizipativen Wirkungsmonitoring zurückgegriffen. Die Evaluation bildet die Grundlage zum Aufbau eines Kompetenznetzwerks und soll in Form einer Publikation zur Verfügung gestellt werden.

Das Programm zur Extremismusprävention an Berufsschulen ist mittelfristig angesetzt (2017-2022/24) und wird von kommendem Schulhalbjahr an systematisch ausgebaut. Die Pilotphase wurde ausschließlich aus Drittmitteln finanziert und auch die nun folgende Ausweitung des Programms auf mehrere Berufsschulen wird durch das großzügige Sponsoring von Vonovia ermöglicht. Im Rahmen des Pressegesprächs erklärte Klaus Freiberg, Vorstandsmitglied von Vonovia, die Fördermotivation seines Unternehmens mit den Worten: „Integration, interkultureller und interreligiöser Dialog darf nicht nur im Klassenraum stattfinden. Er muss dort stattfinden, wo die Menschen leben, in ihren Quartieren, in ihrer gewohnten Umgebung. Das Projekt „AntiAnti – Museum Goes School“, das wir gemeinsam mit dem Jüdischen Museum ins Leben gerufen haben, setzt genau hier an: Weg von institutionellen Rahmenbedingungen hin zu den Menschen. Wir als Vonovia geben vielen Familien – aller Nationen und Religionen – in Frankfurt ein Zuhause. Wir freuen uns deshalb sehr, den Ansatz des Jüdischen Museum unterstützen zu können.“

Bildmaterial: Impressionen von den verschiedenen Workshops und der Preisverleihung beim Abschlussfest mit den Schülerinnen und Schülern der Philipp-Holzmann-Schule beim Bildungsprogramm zur Extremismusprävention „AntiAnti – Museum Goes School“ des Jüdischen Museums.

 

Das Bildmaterial finden Sie zum Download im Pressebereich unter www.juedischesmuseum.de/presse.html


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