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Servicemeldung

Wie viel Musizieren ist in der Mietwohnung erlaubt? - Von Händel bis Heavy Metal

  • Musizieren darf grundsätzlich nicht verboten werden
  • Maßgeblich sind Mietvertrag und Hausordnung
  • Besondere Regeln gelten für Berufsmusiker und Musiklehrer

Bochum, 16.03.2017 - Musizieren ist ein schönes Hobby - aber ein lautes. Wenn das Nachbarskind stundenlang dieselben Etüden rauf und runter klimpert, der Posaunist der Blaskapelle lautstark für den Festumzug probt oder das Solo auf der E-Gitarre mehr schrill als virtuos von nebenan herüberschallt, kann das wirklich nerven. Sicherlich, nur Üben macht den Meister. Man spielt sein Instrument in der Wohnung und Zimmerlautstärke lässt sich selten einhalten. Aber wie viele Stunden Musikbeschallung am Tag muss ein Nachbar akzeptieren? „Musizieren ist in Mietwohnungen grundsätzlich erlaubt. Es gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch“, betont Bettina Benner, Pressesprecherin von Vonovia, Deutschlands führendem bundesweit aufgestellten Wohnungsunternehmen. „Doch es gibt Grenzen.“ Proben eines ganzen Ensembles oder einer Rockband etwa muss der Nachbar nicht hinnehmen.

Wann, womit, wie lange, wie laut

Ruhezeiten sind nicht bundesweit gesetzlich geregelt, sondern werden von den Bundesländern und den einzelnen Gemeinden festgelegt. Weiterhin schreiben häufig der Mietvertrag sowie die Hausordnung vor, zu welchen Zeiten die Zimmerlautstärke nicht überschritten werden darf. Allen gemein ist, dass an Sonn- und Feiertagen weitgehend Ruhe herrschen sollte, Nachtruhe gilt von 22 bis 6 oder 7 Uhr. Die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr steht nicht im Gesetz, ist aber häufig in der Hausordnung festgeschrieben. Speziell für das Musizieren gibt es keine allgemeine gesetzliche Vorschrift. Doch eine Reihe von Gerichtsentscheidungen weist die Richtung. In der Regel werden zwei bis drei Stunden Bach oder Beethoven als zumutbar erachtet. So spielen etwa Art und Lautstärke des Instrumentes eine Rolle - ist es eine Blockflöte oder ein Schlagzeug? Sind die Nachbarn Rentner, ein berufstägiges Paar oder eine junge Familie? Und wie hellhörig ist das Mietshaus? Die Qualität des Dargebotenen ist übrigens nicht entscheidend - auch wenn das mancher lärmgeplagter Nachbar bedauern mag.

Mit offenen Karten spielen

Um Ärger mit dem Vermieter und den Nachbarn zu vermeiden, sollte man vor Unterschreiben des Mietvertrags angeben, dass man ein Musikinstrument spielt. Spezielle Regeln gelten meist für Berufsmusiker, die längere Übungszeiten für ihre Auftritte brauchen. In diesem Fall ist es wichtig, ein besonderes Abkommen im Mietvertrag einzubauen. Klavierlehrer aufgepasst: Ein Vermieter muss es nicht dulden, dass zu Hause Musikunterricht gegeben wird, denn das stellt eine gewerbliche Nutzung der Wohnung dar. Hier unbedingt vorher Klarheit schaffen! Generell gilt: Ob man Hobbytrompeter ist oder Berufspianist - der einfachste Weg zu einem entspannten Zusammenleben ist das offene Gespräch. „Der Musiker sollte einfach den Nachbarn fragen, ob das Üben zu bestimmten Zeiten am Tag in Ordnung ist“, sagt Benner. „Sicherlich lässt sich ein Kompromiss finden, mit dem beide Seiten leben können.“ So kann man auch Schallschutzmaßnahmen vereinbaren wie Styroporplatten an den Wänden, Kopfhörer am E-Piano oder Tondämpfer an der Tuba. Denn Musizieren ist ja an sich ein schönes Hobby und bereitet Genuss - wenn man die Regeln einhält.